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Nachdem in Lindau, Friedrichshafen, Romanshorn, Konstanz und Schaffhausen Schifffahrtsgesellschaften bestehen, fehlt noch immer das österreichische Vorarlberg. Bregenz wird schon seit Beginn der Dampfschifffahrt durch deutsche, später auch durch schweizerische Schiffe regelmässig angelaufen. Daher wird in Oesterreich das Fehlen einer eigenen Flotte vorerst nicht als grosser Mangel angesehen.

Wohl laufen verschiedentlich Bemühungen zur Einrichtung einer eigenen Dampf-
schiff-Gesellschaft, so etwa 1830, 1835 bis 38, 1849 und wieder 1868. Doch all diese Initiativen bleiben ergebnislos. Erst im Dezember 1883 gründet Oesterreich eine eigene Gesellschaft die von Beginn an unter der Verwaltung der "Kaiserlich-
Königlichen Staatsbahnen" stand.

Die Unternehmung kann im Folgejahr den Betrieb mit den beiden Schiffen Habsburg und Austria I aufnehmen. Es sollten die letzten Glattdecker für den Obersee werden, da sie häufig auch zum Schleppen von Trajektkähnen verwendet wurden. Bereits 1885 kommt ein stattlicher Halbsalondampfer, der Kaiser Franz Josef I. in Betrieb, zwei Jahre später gefolgt von der Kaiserin Elisabeth.

Dass die Bregenzer Gesellschaft durch die Eisenbahn betrieben wurde ist kein Zufall. Bereits 1854 übernahm der Staat Württemberg die Friedrichshafener Gesellschaft. Neun Jahre später folgten Baden und Bayern die ihrerseits die bisher privaten Unternehmen verstaatlichten. Alle drei Verwaltungen wurden den jeweiligen Staatsnahnen angehängt. Nur die Gesellschaft in Schaffhausen blieb eine private Aktiengesellschaft.

Der hier dargestellte Abschnitt bringt in der Geschichte der Bodensee-Schifffahrt den grössten Um- und Aufschwung mit sich. Einerseits nimmt der Fahrgastverkehr stark zu, was zu einer Trennung des Personen- und Güterverkehrs führt. Andererseits führt dies zu einem Wandel in der Schiffskonstruktion. Ab 1871 werden keine Glattdecker mehr gebaut (mit Ausnahme der Habsburg/Austria und den Schaffhauser Schiffen). Mit dem badischen Kaiser Wilhelm kommt der erste Salondampfer des Bodensees in Betrieb, gefolgt 1877 vom württembergischen Christoph. Zeitgleich wurde auch der badische Halbsalondampfer Greif in Dienst gestellt. Dieses Schiff sollte wegweisend für die weitere Entwicklung werden, denn bis zum ersten Weltkrieg folgten weitere 23 Halbsalonschiffe, aber nur noch ein Salondampfer (die österreichische Stadt Bregenz 1910). Auf keinem anderen Binnengewässer Europas verkehrten je soviele Halbsalonschiffe. Auf den reinen Schweizer Seen war das Salondampfschiff in der Mehrzahl und es bewährte sich dort auch sehr gut.

(Bilder zum vergrössern anklicken)

Die Königlich Württembergischen Staatseisenbahnen nahmen 1870 mit DS Eberhard den letzten Glattdecker in Betrieb. 1886 wird das Mittelschiff überdacht und 1895 entsteht im Heck ein kleiner Salon, der hier gut zu erkennen ist. 1912 wurde das Schiff ausrangiert.
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1870 wird mit der Hohenklingen ein neues, grösseres Schiff für die Schaffhauser Flotte beschafft. Da die Frequenzen aber bald zurückgehen, wird die Einheit bereits nach zwei Jahren an die württembergische Dampf-
schiffverwaltung verkauft. Dort verkehrt es erst unter dem Namen Christoph I und ab 1877 als Mömpelgard. 1901 wird das Schiff vorerst mietweise wieder ab Schaff-
hausen eingesetzt und 1902 zurückgekauft. Es verkehrt ab diesem Jahr wieder unter dem ursprünglichen Namen Hohenklingen. - Oben um 1900 bei Stein am Rhein, links
die oszillierende Maschine des Schiffes - die einzige Maschine dieser Bauart auf dem Rhein.
Am 16. September 1947 läuft DS Hohenklingen bei extremem Niederwasser bei Rheinklingen (unterhalb von Stein am Rhein) auf einer Sandbank auf. Die Fahrgäste werden über eine «Leiterwagenbrücke» ausgeschifft. Das
Schiff erleidet keine Schäden und ist bald wieder flott.

Das bittere Ende: Im November 1957 wird die Hohen-
klingen
in Kressbronn verschrottet, nachdem sie in der Saison wohl noch betriebsbereit gehalten wurde, aber zu keinen Einsätzen mehr kam. Der Erlös beträgt CHF 15'000.
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1871 wird durch die Grossherzogliche Badische Dampf-
schiffahrt der erste Salondampfer auf dem Bodensee in Betrieb genommen. DS Kaiser Wilhelm ist somit gleich-
zeitig das erste Schiff das nur im Obersee verkehren kann. Bis 1880 ist das Mittelschiff offen. Bereits 1887 wird ein Steuerhaus aufgebaut.
Oben liegt das Schiff um 1905 im Konstanzer Hafen. Die für ein Escher Wyss-Schiff ungewohnte Anordnung der Treppen zum Oberdeck ist gut zu erkennen.

Unten nach der 1919 erfolgten Umbenennung in Baden I, ebenfalls im Hafen Konstanz.
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1874 wird durch die Nordostnahn gemeinsam mit Bayern das Trajektschiff II in Dienst gestellt. Das auch für heutige Verhältnisse riesige Schiff vermag 18 Eisenbahn-
wagen zu transportieren und gleichzeitig zwei beladene, antriebslose Trajektkähne über den See zu ziehen. Der Kohlenverbrauch ist allerdings mit fast 42 kg/km horrend.
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Durch die Gebrüder Sulzer wird 1877 für Baden der statt-
liche Halbsalondampfer Greif als erstes von insgesamt 24 Halbsalonschiffen des Bodensees geliefert. 1885 wurde das Mittelschiff nach vorne abgeschlossen und ein Steuerhaus aufgebaut. - Hier verlässt die Greif den Hafen Konstanz um 1895, noch mit Gaffelmast.
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1877 wird mit DS Christoph II der zweite Bodensee-
Salondampfer in Betrieb genommen. Erstmals ist ein Schiff von Anfang an mit einem Steuerhaus ausgerüstet. Die ursprüngliche Nassdampfmaschine wird 1897 in das Ver-
bundsystem umgebaut. - Beim Übergang der Schiffe an die Reichsbahn 1920 wird das Schiff ausgemustert.
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Diese imposante Figur mit dem die bayerischen Farben blau/weiss tragenden Löwen war auf dem ersten bayerischen Halbsalondampfer Wittelsbach (1879) nur gerade in den ersten beiden Betriebsjahren aufgestellt. Auf dem in Rorschach entstandenen Bild ist der anfänglich ungeschützte Steuerstand und das nach vorne offene Mittelschiff gut zu sehen. Beachtenswert ist zudem das kleine Lüftungsrohr vor dem Kamin.


Kurz vor der Jahrhundertwende zeigt sich die Wittels-
bach
in Lindau nun mit Steuerhaus. Noch ist der ursprüngliche Gaffelmast vorhanden.

Von 1919 bis zur Ausserdienststellung im Jahre 1929 verkehrt das Schiff unter dem Namen Augsburg I. Hier läuft die Einheit den Hafen Konstanz kurz vor der Ausrangierung an.
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1884 erscheinen mit DS Austria I und Habsburg die ersten österreichischen Schiffe. Im Gegensatz zu den Einheiten der anderen Verwaltungen werden diese beiden Schiffe noch als Glattdecker erbaut. 1896 bzw. 97 wird das bisher zwar überdachte, nach vorne aber offene Mittelschiff abgeschlossen.

DS Austria I heisst 1919 bis zum Abbruch 1926 Bezau, die Habsburg trägt von 1919 - 21 den Namen Schruns. Das Schiff wird nach Rumänien verkauft, wo es noch mindestens 50 Jahre lang eingesetzt wird. Nach einem Brand 1984 wird die ehemalige Habsburg abgebrochen.
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Die Nordostbahn nimmt 1887 mit der durch Escher Wyss erbauten Helvetia III ihren ersten Halbsalondampfer in Betrieb. Im Gegensatz zu den deutschen und österreichischen Neubauten weist das Schiff einen Klipperbug auf, der bis zum Abbruch 1932 beibehalten wird.
Das obere Bild zeigt das Schiff um 1910 im Romanshorner Hafen. Sehr gut ist der mehrfarbige Anstrich zu erkennen.

Links steht die Helvetia III im Sommer 1932 zu einem ihrer letzten Einsätze bereit. Im Oktober des selben Jahres wird der Rumpf in der Mitte des Sees versenkt.
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Als erstes Bodensee-Schiff liefert die Münchener Firma Maffei 1888 den Halbsalondampfer Zaehringen an die Badische Gesellschaft. - Die Aufnahme entstand kurz nach der Inbetriebnahme. Noch ist ein Gaffelmast vorhanden.
1903 wird das Schiff durch die Gebrüder Sulzer um 2,5 m
verlängert. Gleichzeitig wird die 3-Zylinder-Nassdampf-
maschine von Maffei durch eine 2-Zylinder-Heissdampf-
maschine von Sulzer ersetzt. Die Tragkraft kann von 600 auf 800 Personen erhöht werden. Der Umbau lässt ein äusserst wirtschaftliches Schiff entstehen. - Hier verlässt die Zaehringen vollbesetzt den Hafen Konstanz, un-
mittelbar vor dem 1. Weltkrieg.
Den 2. Krieg übersteht die Zaehringen unbeschadet. Um den gestiegenen Anforderungen gerecht zu werden, wird das Schiff 1949/50 umgebaut. Hier liegt die Einheit in diesem Zustand, bereits mit DB-Emblem auf den Rad-
kasten, an der Aussenmole in Konstanz.
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Mit DS Prinz-Regent begann 1890 eine durchgreifende Erneuerung der bayerischen Flotte, der bis 1906 sämtliche noch vorhandenen Glattdecker zum Opfer fielen. - Hier liegt das Schiff im Ursprungszustand in Rorschach.
1919 wurde auch diese Einheit umbenannt. Das Schiff verkehrte fortan unter dem Namen Nuernberg.

Der Dampfer verkehrte bis zur Ausrangierung im Jahre 1936 nahezu unverändert. Hier verlässt das Schiff den Hafen von Lindau um 1925.
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1890 wird durch die württembergische Verwaltung das erste Schiff der "Königs-Klasse" in Betrieb genommen. Das von Escher Wyss erbaute DS König Karl II wies im Halb-
salon grosse Aussichtsfenster auf, um den Fahrgästen möglichst viel Ausblick bieten zu können. - Auch an diesem Schiff wurden bis zur Ausserdienststellung 1933
keine wesentlichen Veränderungen vorgenommen.

Das obere Bild zeigt DS König Karl II um 1910 bei der Einfahrt in Rorschach. Noch sind auf den Radkasten die württembergischen Königswappen angebracht. - Unten im Heimatort Friedrichshafen Anfang der Zwanzigerjahre.
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Als Schwesterschiff des Prinz-Regent wird 1892 durch die Maschinenfabrik Maffei der Halbsalondampfer Rupprecht geliefert.
Hier kreuzt das Schiff um 1903 im Obersee.

Nach der 1919 erfolgten Umbenennung in Muenchen treffen wir das Schiff um 1925 in Friedrichshafen. Die "Verpackung" der Oberdecks-Reling wirkt nicht gerade vorteilhaft.
1949 wird das Schiff durch die Bodanwerft umgebaut. Die Veränderungen sind augenfällig.

Doch bereits nach 8 Jahren wird der Dampfer im Sommer 1957 stillgelegt. Die Aufnahme zeigt die München kurz vor dem 1964 erfolgten Abbruch im Konstanzer Hafen.
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Ebenfalls 1892 wird durch die NOB das Halbsalonschiff Saentis I in Betrieb genommen. Letztmals erhält damit ein Bodenseeschiff einen Klipperbug. 1905 wird er in senk-
rechte Bauart abgeändert. Gleichzeitig wird die Rotonde auf dem Vorschiff vergrössert und ein neues Steuerhaus errichtet. Als eines der ersten Schiffe überhaupt, wird
die Kesselfeuerung bereits 1920 auf Öl umgestellt. Nach der Ausmusterung Ende 1932 wird auch dieses Schiff, wie im Vorjahr bereits die Helvetia III, in Seemitte versenkt.

Die beiden Aufnahmen zeigen die Saentis I um 1910.
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1893 liefert die Stuttgarter Maschinenfabrik Kuhn die nach dem Muster der König Karl II erbaute Königin Charlotte. Wesentlicher Unterschied zum Vorbild ist ein kuppelartiger Pavillon im Achterschiff, der auf dem Bild gut zu erkennen ist. Der Halbsalondampfer wird 1943 ausgemustert.

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