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Nach dem gescheiterten Versuch mit der Stephanie 1817/18 wird es vorerst wieder ruhiger um die maschinengetriebene Schifffahrt auf dem Bodensee. Sechs Jahre vergehen bis der württembergische König Wilhelm I. die Initiative ergreift. Er erhofft sich durch die Einführung der Dampfschifffahrt wirtschaftlichen Auf-
schwung für sein Land. Um allfällige Hindernisse gleich von Anfang an auszu-
schliessen, kauft er der Friedrichshafener Schiffergesellschaft nicht nur deren Rechte, sondern auch gleich alle Segelschiffe und Boote, gegen lebenslange Renten ab.

Nach diesen Vorbereitungen wird 1824 die "Friedrichshafener Dampfboot-
gesellschaft" gegründet, deren erstes Schiff, das hölzerne Glattdeckboot Wilhelm I bereits am 17. August von Stapel läuft. Nach Fertigstellung und ausgedehnten Probefahrten nimmt das Schiff am 1. Dezember den planmässigen Verkehr zwischen Friedrichshafen und Rorschach auf.

Die einzylindrige Niederdruckmaschine des Wilhelm I verursacht eine eher unruhige und ruckartige Fahrt. Dadurch wird auch die Holzschale stark beansprucht. Bereits 1829 muss sie daher ersetzt werden. Diesmal jedoch werden Eichen statt Föhren und Lärchen verbaut. Offensichtlich ein richtiger Entscheid; das Boot verkehrt immerhin bis 1848.

Ebenfalls 1824 erhalten Freiherr von Cotta und Consul Church vom bayerischen König Max Joseph das «Privilegium zur Betreibung der Dampfschifffahrt auf dem Bodensee von Lindau aus». Voller Hoffnung und Zuversicht gründen die beiden Herren darauf das "Dampfbootunternehmen Freiherr von Cotta & Church".

Ihr Schiff Max Joseph wird in Friedrichshafen neben dem Wilhelm I erbaut und trifft am 2. Dezember 1824 in Lindau ein. Wohl wird es dort begeistert empfangen und gebührend bewundert. Doch aus einer Betriebseröffnung wird nichts. Die Schiffergesellschaft beharrt auf ihren im königlichen Privileg ausdrücklich zugestandenen Rechten.

Cotta fährt daraufhin mit seinem Schiff ins badische Konstanz und versucht dort sein Glück. Seine Bemühungen haben hier mehr Erfolg. Ab Mai 1825 nimmt Max Joseph seine planmässigen Fahrten auf. Dabei wird einmal wöchentlich auch die Rheinstrecke nach Schaffhausen befahren. Doch bereits 1829 endet das Abenteuer. Hauptgrund dafür war der heftige Widerstand der Schifferszünfte. Damit ist der württembergische Wilhelm I wieder als einziges Dampfschiff auf dem Bodensee unterwegs.

1830 wird in Konstanz die "Dampfschiffahrtsgesellschaft für den Bodensee und Rhein" gegründet, welche im folgenden Jahr das Glattdeckboot Leopold I und 1832 die Helvetia I in Betrieb setzt. Mit diesen beiden Schiffen wird der ganze Boden-
see und der Rhein bis Schaffhausen regelmässig befahren. Hauptzweck auch dieser Unternehmung ist primär der Güterverkehr. Lediglich an Sonn- und Feiertagen finden sogenannte "Lustfahrten" statt, welche ausschliesslich dem Publikum vorbehalten sind. Unter der Woche haben Fahrgäste den Platz mit Gütern und Vieh aller Art zu teilen...

Nach Liquidation der eigentlich in Lindau beheimateten Cotta'schen Unternehmung dauert es Jahre, bis auch die Bayern erwachen. Am 26. April 1835 entsteht in Lindau die "Dampfboot-Actiengesellschaft". Allerdings dauert es weitere drei Jahre bis zur Inbetriebnahme des ersten Schiffes, der Ludwig I. Immerhin wird dieser Glattdecker das erste Bodensee-Dampfschiff mit eiserner Schale.

Bereits 1838 tritt zwischen der badischen und der bayerischen Gesellschaft erstmals am Bodensee ein Gemeinschaftsabkommen in Kraft. Sieben Kurse im Obersee werden gemeinschaftlich bedient während Untersee und Rhein der Konstanzer Gesellschaft vorbehalten bleiben. Doch das Abkommen gibt Anlass zu häufigen Auseinandersetzungen unter den Partnern. Auf Ende August 1842 wird es durch Konstanz ersatzlos aufgekündigt.

Es folgt ein jahrelanger ruinöser Konkurrenzkampf zwischen den drei deutschen Gesellschaften. Alle Unternehmen haben in der Zwischenzeit ihre Flotten vergrössert. 1843 sind bereits acht Schiffe vorhanden. Doch die Fahrpläne sind in keiner Weise aufeinander abgestimmt, im Gegenteil. Oft fahren zwei oder gar drei Schiffe verschidener Gesellschaften auf derselben Strecke quasi um die Wette, nur um sich gegenseitig Einnahmen abzujagen. Besonders erbittert sind dabei die Lindauer, deren Schiffe nicht mehr in Konstanz sondern im wenige Kilometer entfernten schweizerischen Bottighofen anlegen. In manchen Köpfen spukt sogar die Idee eines Kanals auf Schweizer Gebiet vom Obersee nach Gottlieben am Untersee zur Umgehung von Konstanz herum!

Der Konflikt zwischen den drei Streithähnen nimmt schliesslich solche Ausmasse an, dass die Regierungen der drei (Bundes-)Länder eingreifen und die Kontrahen-
ten zu Verhandlungen zwingen. Als Folge davon verkehren die Schiffe der drei Gesellschaften ab 1847 endlich nach einem gemeinschaftlichen Fahrplan und gegenseitige Verkehrsbeschränkungen werden aufgehoben. Die Lindauer laufen jetzt auch wieder den Hafen Konstanz an und der Kanal muss nicht gebaut werden...

Unter diesen Voraussetzungen erstaunt es nicht allzu sehr, wenn in Schaffhausen Pläne für eine eigene Schweizer Dampfschifffahrt geschmiedet werden, um sich aus den deutschen Querelen heraushalten zu können. 1850 wird tatsächlich die "Schweizerische Dampfboot-Actiengesellschaft für den Rhein und Bodensee" gegeründet. Bereits im folgenden Jahr kann der Kursdienst von Schaffhausen nach Rorschach mit dem jetzt grössten und schnellsten Bodensee-Schiff, der Stadt Schaffhausen aufgenommen werden. Bereits 1853 folgen die Glattdecker Rhein I und Stadt St. Gallen und 1855 die Bodan. Alle vier Schiffe weisen für die Fahrt rheinaufwärts starke Maschinen auf, so dass auf dem See eine Geschwindigkeit von gut 20 km/h erreicht wird.

In kurzer Zeit entwickelt sich die Schaffhauser Gesellschaft zu einem blühenden Unternehmen. Ihre schnellen Schiffe sind eine ernsthafte Konkurrenz der etablierten Gesellschaften. Aber nicht etwa ein deutsches Unternehmen, sondern die 1855 gegründete "Dampfschiff-Inspektion Romanshorn" der Schweizerischen Nordostbahn (NOB) wird gefährlichster Konkurrent der Schaffhauser. Dieses expandierende und kapitalkräftige Unternehmen betreibt mit aller Kraft die Ausschaltung der älteren ersten schweizerischen Schifffahrtsgesellschaft.

Unerwatet schnell endet dieser "Schweizer Kampf", denn bereits am 1. Januar 1857 geht die Schaffhauser Unternehmung in den Besitz der NOB über. Mit deren vier Schiffen und den eigenen Neubauten Thurgau I und Stadt Zürich besitzt die NOB die grösste Bodensee-Flotte.

Ab November 1863 verkehren keine Schiffe mehr nach Schaffhausen. Die hier beheimateten Schiffe werden nach Romanshorn verlegt und fahren fortan nur noch auf dem Obersee. Für die Gemeinden am Rhein und Untersee die über keinen Bahnanschluss verfügen, führt diese Situation zu erheblichen Verkehrsschwierigkeiten. So wird am 19. Mai 1864 die "Schweizerische Dampfboot-Gesellschaft für den Untersee und Rhein gegründet". (Diese Unternehmung existiert als URh auch heute noch. Sie ist somit die älteste Schifffahrtsgeselsschaft der Schweiz. Alle anderen entstanden später durch Fusionen.)

Im Frühjahr 1865 wird die Holzbrücke in Diessenhofen als grösstes Hindernis auf der Rheinstrecke um 80 cm angehoben, worauf die beiden neuen Schiffe Arenaberg und Rheinfall ihre Fahrten aufnehmen können. Bereits 1867 folgt mit der Schweiz das allererste durch die Gebrüder Sulzer in Winterthur erbaute Schiff.

Jetzt fehlt eigentlich nur noch Oesterreich. Dort dauert es etwas länger. Die Entstehung der Flotte ist daher im nächsten Abschnitt 1870 - 1894 beschrieben.

(Bilder zum vergrössern anklicken)

1839 kommt mit DS Kronprinz das erste von Escher Wyss für den Bodensee erbaute Schiff in Betrieb.
Umbenennung in König Karl I 1846, in Württemberg I 1890, Abbruch 1904.

Das Bild zeigt den Glattdecker um 1895 in Friedrichshafen.
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1840 kommt mit dem Leopold II bei der Konstanzer Gesellschaft ein weiterer Glattdecker in Betrieb. Das Schiff wurde aus dem Leopold I von 1831 umgebaut und war bis 1905 in Betrieb.
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1854 folgt mit dem Glattdeckdampfer Friedrich ein weiteres Escher Wyss-Schiff das durch die Konstanzer Gesellschaft in Betrieb genommen wird.

Das Bild zeigt die Einheit kurz vor der 1902 erfolgten Ausserdienststellung im Lindauer Hafen.
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Nach der Indienststellung 1855 bis 1863 verkehrt DS Bodan ab Schaffhausen. Danach wird es nach Romanshorn verlegt und befährt fortan nur noch den Obersee. Es bleibt bis zum Abbruch im Winter 1906/07 ein Glattdecker. In den letzten Betriebsjahren wird das Schiff hauptsächlich im Güter- und Schleppverkehr eingesetzt.
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Ebenfalls 1855 wird die Thurgau I in Betrieb genommen. Sie bedient ab Romanshorn vorwiegend die Strecken nach Lindau und Friedrichshafen. Für den Bodensee typisch entsteht 1887 auch bei diesem Schiff ein kleines Oberdeck, obschon die Einheit bis zum Abbruch im Jahre 1911 Glattdecker bleibt.
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Als drittes Schweizer Schiff wird 1855 die Stadt Zürich dem Betrieb übergeben. Der Dampfer ist häufig in Kollisionen verwickelt und versenkt zudem die bayerischen Schiffe Ludwig und Jura.
1870 Umbenennung in Zürich I, 1883/84 Umbau in Halbsalonbauart, 1917/18 Abbruch in Romanshorn.
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Durch die im Vorjahr neu gegründete «Schweizerische Dampfboot-Gesellschaft für den Untersee und Rhein» wird 1865 der Glattdecker Arenaberg in Dienst genommen. Wie an allen anderen Dampfschiffen der Gesellschaft ändert sich auch an diesem Schiff äusserlich bis zur Ausrangierung 1914 praktisch nichts - abgesehen von
häufig wechselnden Anstrichsvarianten.

Das obere Bild zeigt die Arenaberg vor 1896 in Schaffhausen, unten um 1908 bei der Feuerthaler Eisenbahnbrücke.
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Als Schwesterschiff der Arenaberg wird ebenfalls 1865 der Dampfer Rheinfall in Dienst gestellt. Im Dezember 1869 kommt es vor Berlingen zu einer Kesselexplosion worauf das Schiff sinkt. Im darauf folgenden Jahr kann es gehoben werden und ein Jahr später kommt es unter dem neuen Namen Neptun wieder in Betrieb.
Auch dieser Glattdeckdampfer erfährt bis zur Ausser-
dienststellung 1939 keine namhaften Veränderungen.

Das obere Bild zeigt das Schiff im Hochwassersommer 1910 in Schaffhausen, unten sehen wir die Neptun rund 15 Jahre später im Untersee.
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Das erste durch die Gebrüder Sulzer erbaute Dampfschiff, die Schweiz, kommt 1867 in Betrieb. Es handelt sich wegen der beschränkten Durchfahrtshöhe verschiedener Brücken auf der Rheinstrecke ebenfalls um einen Glatt-
decker mit versenkten Radkasten.
Auf dem oberen Bild verlässt das Schiff um die Jahr-
hundertwende den Hafen Konstanz. Unten ist die Schweiz kurz vor der 1939 erfolgten Ausserdienststellung in Schaffhausen zu sehen. Auf dieser Aufnahme ist der in den Dreissigerjahren angewendete weisse Kaminanstich mit den zwei roten Streifen gut zu erkennen.

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